Ratgeber Wartung

Die Fettpresse ist das günstigste Werkzeug gegen Verschleiß

Kaum eine Arbeit hat ein so gutes Verhältnis von Aufwand zu Wirkung wie regelmäßiges Abschmieren. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, die richtige Menge und ein Plan, der wirklich abgearbeitet wird.

Von Nikolas Janson · 2. Juni 2026 · Lesezeit rund 6 Minuten

Das Wichtigste in KürzeRegelmäßigkeit ist wichtiger als die teuerste FettsorteFrisches Fett verdrängt Schmutz und Wasser nach außenZu viel Fett schadet an Lagern mit Dichtung, zu wenig überall sonstEin Schmierplan an der Maschine wird abgearbeitet, einer im Ordner nicht

Abschmieren gilt als lästige Pflicht, ist aber die Arbeit mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Wirkung. An einer Landmaschine arbeiten viele Gelenke unter hoher Last, mit langsamer, oft schwingender Bewegung und ohne eigene Ölversorgung. Genau in dieser Kombination ist Fett das einzige, was Metall von Metall trennt. Fehlt es, läuft der Bolzen im eigenen Abrieb, das Spiel wächst, und irgendwann ist nicht mehr der Bolzen fällig, sondern das ganze Bauteil.

Was Fett an der Schmierstelle leistet

Fett schmiert nicht nur, es dichtet auch ab. Wenn frisches Fett am Spalt austritt, wird gleichzeitig Schmutz und Wasser nach außen verdrängt. Das ist der eigentliche Grund, warum regelmäßiges Abschmieren so wirksam ist. Eine Schmierstelle, die selten versorgt wird, enthält altes, mit Abrieb und Wasser vermischtes Fett, das seine Aufgabe nur noch eingeschränkt erfüllt und wie eine Schleifpaste wirkt.

Deshalb ist die Regelmäßigkeit wichtiger als die Sorte. Ein hochwertiges Mehrzweckfett, konsequent eingesetzt, schützt besser als ein Spezialprodukt, das zweimal im Jahr zum Einsatz kommt. Besondere Anforderungen gibt es trotzdem, etwa bei sehr hohen Lasten, bei ständigem Wasserkontakt, bei hohen Temperaturen oder bei Anlagen, die im Lebensmittelbereich arbeiten. In diesen Fällen ist die Vorgabe des Herstellers maßgeblich.

Nach der Wäsche immer schmieren

Der Hochdruckreiniger drückt Wasser genau dorthin, wo es nicht hingehört, nämlich in Lager und Buchsen. Wer nach der Reinigung nicht abschmiert, lässt dieses Wasser über Tage oder Wochen arbeiten. Das Ergebnis sind Rost an den Laufflächen und beschleunigter Verschleiß. Abschmieren nach jeder gründlichen Reinigung ist deshalb keine Empfehlung, sondern eine der einfachsten und wirksamsten Regeln in der Maschinenpflege.

Die richtige Menge finden

An offenen Bolzen und Gelenken schmiert man, bis frisches Fett sichtbar austritt. An abgedichteten Lagern gilt das Gegenteil, weil ein zu hoher Druck die Dichtung anhebt oder beschädigt. Anschließend gelangt Schmutz ins Lager, und der vermeintlich sorgfältige Umgang verkürzt die Lebensdauer. Wer sich unsicher ist, orientiert sich an der Angabe im Handbuch oder schmiert lieber häufiger mit wenigen Hüben als selten mit sehr viel Fett.

Frisches Fett am Spalt ist kein Verlust, sondern der Beweis, dass Schmutz nach außen gedrückt wurde.

Ein Schmierplan, der abgearbeitet wird

In der Praxis scheitert das Abschmieren selten am Willen, sondern daran, dass Stellen vergessen werden. Anbaugeräte haben Schmiernippel an Positionen, die man erst sieht, wenn das Gerät angehoben oder geklappt ist. Deshalb lohnt sich eine feste Reihenfolge, die immer gleich abläuft, ergänzt um eine kurze Liste an der Maschine. Wer zusätzlich schwer zugängliche Nippel markiert, findet sie beim nächsten Mal sofort wieder.

  • Feste Reihenfolge festlegen und immer gleich durchgehen
  • Schwer sichtbare Nippel farblich markieren
  • Anbaugeräte in Arbeitsstellung und in angehobener Stellung prüfen
  • Nach jeder Hochdruckreinigung zusätzlich schmieren
  • Fettpresse sauber halten und die Düse vor dem Ansetzen abwischen
  • Verstopfte oder abgerissene Nippel sofort ersetzen

Beim Schmieren gleich prüfenNutzen Sie den Rundgang für eine kurze Kontrolle auf Spiel. Bewegen Sie Gelenke mit dem Brecheisen und achten Sie auf Geräusche und Wackeln. Ausgeschlagene Buchsen erkennen Sie so lange bevor die Bohrung im Rahmen beschädigt wird.

Typische Fehler und was sie kosten

Der häufigste Fehler ist das Auslassen einzelner Stellen über längere Zeit. Besonders betroffen sind Oberlenker, Gelenkwellen, Klappmechaniken und alles, was nur gelegentlich benutzt wird. Diese Punkte fallen erst auf, wenn sie schwergängig werden oder Spiel zeigen. Der zweite typische Fehler ist verschmutztes Werkzeug. Eine Fettpresse, die im Staub liegt, drückt Sand in das Lager, und genau davor sollte das Fett eigentlich schützen.

Ebenfalls verbreitet ist das Mischen unterschiedlicher Fette. Nicht alle Verdicker vertragen sich, und in ungünstigen Fällen verflüssigt sich die Mischung oder wird hart. Wer die Sorte wechselt, sollte die Stelle möglichst gut freidrücken und danach bei der neuen Sorte bleiben. Für den Betrieb ist es ohnehin einfacher, mit wenigen, klar zugeordneten Sorten zu arbeiten, statt mit halbleeren Kartuschen unterschiedlicher Herkunft.

Zentralschmierung und Sonderfälle

Maschinen mit vielen Schmierstellen und hoher Auslastung profitieren von einer Zentralschmieranlage. Sie versorgt die Stellen regelmäßig in kleinen Mengen und arbeitet damit näher am Ideal, als es von Hand möglich wäre. Wichtig ist jedoch die Kontrolle. Eine verstopfte Leitung, ein defekter Verteiler oder ein leerer Behälter fallen ohne Prüfung erst dann auf, wenn ein Lager bereits Schaden genommen hat. Sichtprüfung auf austretendes Fett an den Stellen ist deshalb Pflicht.

Sonderfälle sind Stellen, die nicht mit Fett versorgt werden, etwa Gleitflächen mit Trockenschmierung, Ketten, Seilwinden oder Gewindespindeln. Dort kommen Kettenspray, Sprühfett oder spezielle Öle zum Einsatz. Auch Gelenkwellen haben eigene Anforderungen mit Kreuzgelenken, Schiebeprofil und Schutzrohrlagerung. Wer diese Stellen in den Rundgang aufnimmt, hat die Maschine tatsächlich vollständig versorgt und nicht nur die auffälligen Nippel bedient.

Am Ende ist Abschmieren die klassische Arbeit, deren Wirkung man nie sieht, weil sie Schäden verhindert, die nie eintreten. Genau deshalb lohnt es sich, sie fest im Ablauf zu verankern statt sie vom verfügbaren Zeitfenster abhängig zu machen.

Werkzeug, Ausrüstung und Arbeitsweise

Die Fettpresse ist das Werkzeug, mit dem der größte Teil dieser Arbeit erledigt wird, und ihre Handhabung entscheidet über das Ergebnis. Ein sauberes Mundstück, ein passender Aufsatz für schwer zugängliche Nippel und ein Schlauch statt eines starren Rohrs erleichtern die Arbeit erheblich. Akkubetriebene Pressen sind bei vielen Schmierstellen eine spürbare Entlastung, verleiten aber dazu, zu viel Fett einzubringen. Deshalb bleibt der Blick auf die Stelle wichtig.

Ebenso hilfreich sind Kleinigkeiten in der Ausrüstung. Ein Vorrat an Schmiernippeln in den gängigen Größen und Winkeln, ein Nippelreiniger, ein kleiner Schaber für verkrustete Stellen und ein Lappen gehören in die Werkzeugkiste. Ein abgerissener Nippel ist damit in wenigen Minuten ersetzt, statt bis zum nächsten Werkstattbesuch offen zu bleiben und Schmutz aufzunehmen.

Arbeiten Sie außerdem in einer sinnvollen Reihenfolge. Zuerst die Stellen, die nur in einer bestimmten Stellung zugänglich sind, dann der Rest. So muss die Maschine nicht mehrfach bewegt werden. Bei angebauten Geräten lohnt es sich, die Schmierstellen des Geräts direkt mit zu erledigen, solange es angebaut ist, weil sie sonst regelmäßig ausgelassen werden.

Denken Sie zuletzt an die eigene Sicherheit. Unter einer angehobenen Last wird nicht gearbeitet, und die Maschine steht gegen Wegrollen gesichert. Fett unter hohem Druck kann außerdem durch die Haut dringen, wenn eine Presse direkt gegen die Hand entlastet wird. Das ist selten, aber es ist ein echter Notfall und ein guter Grund, die Presse mit Respekt zu behandeln.

Schmieren als Teil der Kontrolle verstehen

Der eigentliche Wert der Schmierrunde liegt darin, dass man dabei an jeder wichtigen Stelle der Maschine ist. Nutzen Sie das. Prüfen Sie im selben Durchgang Bolzensicherungen, Schweißnähte, Leitungen und Verschraubungen. Wer diese Kontrolle mit dem Schmieren verbindet, hat mit geringem Zusatzaufwand einen vollständigen Rundgang und entdeckt Probleme, solange sie noch klein sind.

Wer neu in einem Betrieb ist oder eine gebrauchte Maschine übernimmt, sollte den ersten Schmierdurchgang besonders gründlich machen. Häufig finden sich dabei Nippel, die seit langem nichts mehr angenommen haben, und Stellen, an denen bereits Spiel entstanden ist. Diese Bestandsaufnahme ist die Grundlage dafür, den weiteren Zustand realistisch einzuschätzen, statt später von Verschleiß überrascht zu werden, der schon beim Kauf vorhanden war.

Häufige Fragen

Wie oft muss abgeschmiert werden?Maßgeblich ist der Schmierplan des Herstellers. Bei Arbeiten in Nässe, Staub oder Schmutz sind kürzere Abstände sinnvoll, ebenso nach jeder Hochdruckreinigung. Stellen mit hoher Last und langsamer Bewegung brauchen häufiger Fett als leicht belastete Gelenke.
Wie viel Fett ist richtig?An offenen Bolzen und Gelenken so viel, bis frisches Fett am Spalt austritt. An gedichteten Lagern dagegen nur wenige Hübe, weil zu hoher Druck die Dichtung beschädigen kann. Im Zweifel gilt die Angabe des Herstellers zur Menge.
Was tun, wenn ein Schmiernippel kein Fett annimmt?Meist ist der Nippel verstopft oder das Kugelventil sitzt fest. Nippel lassen sich reinigen oder günstig ersetzen. Nimmt die Stelle danach immer noch nichts an, ist häufig der Schmierkanal zugesetzt oder das Lager bereits festgelaufen und muss geöffnet werden.
Lohnt sich eine Zentralschmieranlage?Bei Maschinen mit vielen Schmierstellen und hoher Auslastung häufig ja, weil regelmäßig und in kleinen Mengen geschmiert wird. Sie ersetzt jedoch nicht die Kontrolle, denn eine verstopfte Leitung oder ein leerer Behälter fallen sonst erst durch einen Schaden auf.

Schmierstellen und Verschleißpunkte prüfen lassen

Wir arbeiten den Schmierplan Ihrer Maschinen ab und prüfen dabei Bolzen, Buchsen und Lager auf Spiel. Termin einfach telefonisch vereinbaren.

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Über den AutorNikolas Janson ist Inhaber von Janson Land- & Baumaschinen und mit dem Servicefahrzeug bei Landwirten, Lohnunternehmen, Bauunternehmen und Forstbetrieben unterwegs. Reparatur, Hydraulikschlauchservice, Reifenservice sowie Ersatzteile und Betriebsstoffe kommen direkt zur Maschine, damit Standzeiten kurz bleiben. Fragen zu diesem Beitrag beantwortet er telefonisch unter 0151 67481042 oder per E-Mail.