Ratgeber Pflanzenschutztechnik
Saubere Technik arbeitet genauer und hält deutlich länger
An der Feldspritze entscheiden Düsen, Filter und Dichtungen über die Verteilgenauigkeit. Wer nach jedem Einsatz gründlich reinigt und regelmäßig prüft, vermeidet Rückstände, Ausfälle und Beanstandungen.
Das Wichtigste in KürzeReinigung direkt nach dem Einsatz verhindert Rückstände und VerstopfungenDüsen sind Verschleißteile und beeinflussen die Verteilung unmittelbarFilter in mehreren Stufen schützen Pumpe und DüsenFrostschutz und trockene Lagerung entscheiden über den Zustand im Frühjahr
Die Feldspritze ist eine der Maschinen, bei denen Wartung unmittelbar auf das Arbeitsergebnis durchschlägt. Eine verschlissene Düse verteilt ungleichmäßig, ein zugesetzter Filter senkt den Durchfluss, eine undichte Dichtung führt zu Verlusten und Verschmutzung. Dazu kommt, dass Rückstände im System später andere Kulturen schädigen können. Gründliche Reinigung und regelmäßige Kontrolle sind hier deshalb kein Komfortthema, sondern Teil der eigentlichen Arbeit.
Reinigen, solange die Anlage noch nass ist
Der wichtigste Grundsatz lautet, direkt nach dem Einsatz zu reinigen. Getrocknete Rückstände lösen sich deutlich schwerer, setzen Düsen und Filter zu und sind aus Ecken und Leitungen kaum zu entfernen. Die Innenreinigung erfolgt in mehreren Durchgängen mit ausreichend Wasser, wobei alle Leitungswege, Teilbreiten und Armaturen einbezogen werden. Nur so wird auch der Bereich erfasst, in dem nach dem Abschalten Restmengen stehen bleiben.
Ebenso wichtig ist die Außenreinigung. Belag am Gestänge, an den Düsenkörpern und am Rahmen wird bei der nächsten Fahrt aufgewirbelt oder abgewaschen und gelangt dorthin, wo er nicht hingehört. Wo gereinigt wird, spielt dabei eine Rolle. Bevorzugt wird auf der behandelten Fläche gearbeitet, weil punktuelle Einträge auf Hofflächen mit Ablauf in die Kanalisation vermieden werden müssen.
Filter in mehreren Stufen
Eine Feldspritze filtert in der Regel mehrfach, also im Einfüllbereich, saugseitig, druckseitig und an den Düsen. Jede Stufe hat ihre Aufgabe, und jede kann zusetzen. Ein verstopfter Saugfilter lässt die Pumpe im Mangel arbeiten, ein zugesetzter Druckfilter senkt den Ausstoß. Deshalb gehören alle Filter regelmäßig geöffnet, gereinigt und auf beschädigte Siebe geprüft, nicht nur der, an den man am leichtesten herankommt.
Düsen sind Verschleißteile
Düsen bestimmen Tropfenspektrum, Verteilung und Ausbringmenge. Durch Abrasion weitet sich die Öffnung mit der Zeit, die Menge steigt, und die Verteilung wird ungleichmäßig. Ein Vergleich der Ausstoßmengen mehrerer Düsen zeigt Abweichungen zuverlässig, ebenso ein Blick auf das Spritzbild bei niedriger Fahrgeschwindigkeit. Auffällige Düsen werden ersetzt, und zwar bevorzugt als kompletter Satz, damit die Verteilung über das gesamte Gestänge gleichmäßig bleibt.
Eine Spritze arbeitet nur so genau wie ihre schlechteste Düse.
Pumpe, Leitungen und Dichtungen
Die Pumpe ist das Herz der Anlage und reagiert empfindlich auf Trockenlauf und auf mangelhafte Filterung. Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche, auf schwankenden Druck und auf Leckagen. Bei Membranpumpen sind gerissene Membranen ein typischer Fall, erkennbar an Flüssigkeit im Ölbereich oder an einer milchigen Verfärbung des Öls. Solche Befunde gehören sofort behoben, weil sonst Folgeschäden entstehen.
- Alle Schlauchverbindungen auf Scheuerstellen und Dichtheit prüfen
- Armaturen und Teilbreitenventile auf Funktion und Leckagen kontrollieren
- Manometer auf plausible Anzeige und Beschädigung ansehen
- Rührwerk und Umlauf auf Funktion prüfen
- Gestänge auf Verformung, Spiel und Federung kontrollieren
- Dichtungen an Deckel, Einfüllbereich und Ablass ersetzen, wenn sie hart sind
Am Gestänge sind zusätzlich die Höhenführung und die Dämpfung wichtig. Ein schlagendes oder verzogenes Gestänge verändert den Abstand zur Zielfläche und damit die Verteilung. Prüfen Sie die Klappmechanik, die Federung und die Anschläge und beheben Sie Spiel, bevor sich die Geometrie dauerhaft verändert. Das ist deutlich einfacher, als ein verzogenes Gestänge nachträglich auszurichten.
Einwintern und Frostschutz
Vor dem Winter wird die Anlage besonders gründlich gereinigt und anschließend gegen Frost geschützt. Wasserreste in Pumpe, Leitungen und Armaturen sprengen bei Frost Bauteile, und der Schaden zeigt sich meist erst beim ersten Einsatz im Frühjahr, dann aber an mehreren Stellen gleichzeitig. Übliche Vorgehensweise ist das Entleeren aller Bereiche und das Befüllen des Systems mit einem geeigneten Frostschutzmittel nach Herstellerangabe.
Düsen und Filter werden ausgebaut, gereinigt und trocken gelagert, Dichtungen kontrolliert und bei Bedarf ersetzt. Der Behälterdeckel bleibt leicht geöffnet, damit Feuchtigkeit entweichen kann, sofern der Hersteller nichts anderes vorsieht. Die Maschine selbst steht am besten trocken und überdacht, weil Kunststoffteile und Schläuche unter Sonneneinstrahlung und Frostwechsel schneller altern.
Vorbereitung auf die Prüfung
Für Pflanzenschutzgeräte bestehen Prüfpflichten in festgelegten Abständen, deren konkrete Ausgestaltung sich nach den jeweils gültigen Regelungen richtet. Wer die Maschine ohnehin sauber hält, Düsen rechtzeitig tauscht und Undichtigkeiten behebt, geht der Prüfung entspannt entgegen. Typische Beanstandungen betreffen genau die Punkte, die im Alltag auffallen würden, also tropfende Armaturen, ungleichmäßige Düsen, beschädigte Manometer und Mängel am Gestänge.
Sinnvoll ist deshalb ein eigener Durchgang einige Wochen vor dem Termin. Was dabei auffällt, lässt sich in Ruhe beschaffen und beheben. Wer erst am Prüftag feststellt, dass ein Düsensatz fällig ist, verliert Zeit und muss den Termin unter Umständen wiederholen.
Genauigkeit prüfen und Fehler vermeiden
Die beste Reinigung nützt wenig, wenn die Ausbringung nicht stimmt. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, ob die tatsächlich ausgebrachte Menge zur Einstellung passt. Dafür genügt eine einfache Kontrolle mit Auffanggefäßen an mehreren Düsen über eine definierte Zeit. Weichen einzelne Düsen deutlich ab, sind sie verschlissen oder teilweise verstopft. Weicht die gesamte Anlage ab, kommen Druckanzeige, Durchflussmessung oder die Einstellung selbst in Betracht.
Ebenso wichtig ist die Fahrgeschwindigkeit. Bei druckabhängiger Dosierung verändert jede Abweichung die Ausbringmenge unmittelbar. Bei Systemen mit Mengenregelung wird das ausgeglichen, allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen. Wer die Geschwindigkeit im Feld deutlich verändert, sollte deshalb wissen, wie seine Anlage arbeitet und wo ihre Grenzen liegen.
Achten Sie zusätzlich auf die Gestängehöhe. Sie bestimmt die Überlappung der Spritzkegel und damit die Gleichmäßigkeit. Zu tief geführt entstehen Streifen, zu hoch geführt steigt die Abdrift. Eine gleichmäßige Führung setzt voraus, dass Federung, Höhenverstellung und Anschläge in Ordnung sind, weshalb diese Bauteile ebenso zur Wartung gehören wie Düsen und Filter.
Nicht zuletzt spielt die Befüllung eine Rolle. Saubere Einfüllsiebe, korrekte Reihenfolge beim Ansetzen und ein funktionierendes Rührwerk sorgen dafür, dass die Mischung homogen bleibt. Ablagerungen im Behälter sind ein Hinweis darauf, dass entweder das Rührwerk nicht ausreichend arbeitet oder dass Reste aus dem vorherigen Einsatz zurückgeblieben sind.
Persönliche Schutzausrüstung und Umgang
Beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gehören geeignete Schutzhandschuhe, Schutzbrille und passende Kleidung selbstverständlich dazu, ebenso beim Reinigen der Anlage. Gerade bei der Reinigung wird das häufig vergessen, obwohl dort der Kontakt mit Konzentratresten am wahrscheinlichsten ist. Halten Sie außerdem klares Wasser zum Spülen bereit und beachten Sie die Angaben in der Gebrauchsanleitung des jeweiligen Mittels.
Sinnvoll ist außerdem eine kurze Dokumentation je Einsatz und Reinigung. Wer notiert, welches Mittel ausgebracht und wie gereinigt wurde, kann bei Auffälligkeiten in der Folgekultur nachvollziehen, woher ein Rückstand stammen könnte. Diese Aufzeichnung ist zugleich eine Hilfe bei der Planung, weil sich daraus ergibt, welche Reinigungsschritte vor einem Kulturwechsel nötig sind.
Denken Sie zuletzt an die Ersatzteile. Ein Vorrat an Düsen, Dichtungen und Filtereinsätzen verhindert, dass ein kleiner Defekt einen ganzen Ausbringtag kostet. Gerade Düsen sind ohnehin regelmäßig fällig, und ein kompletter Reservesatz ist die einfachste Absicherung gegen eine unterbrochene Maßnahme im engen Zeitfenster.
Wer die Spritze konsequent sauber hält, hat außerdem den angenehmen Nebeneffekt, dass die Technik deutlich länger hält. Pumpe, Armaturen und Dichtungen leiden vor allem unter Rückständen, und genau die entstehen, wenn die Reinigung auf später verschoben wird.
Häufige Fragen
Wie oft sollten Düsen kontrolliert werden?
Regelmäßig während der Saison und immer dann, wenn das Spritzbild auffällig wirkt. Düsen verschleißen durch Abrasion, wodurch die Ausbringmenge steigt und die Verteilung ungleichmäßig wird. Eine Kontrolle der Ausstoßmenge zeigt das zuverlässig.Reicht Wasser zum Reinigen aus?
Für viele Anwendungen ja, sofern gründlich und in mehreren Schritten mit ausreichend Wasser gespült wird. Bei bestimmten Mitteln sind zusätzliche Reinigungsmittel und ein besonderes Vorgehen vorgesehen. Maßgeblich sind die Angaben in der Gebrauchsanleitung des jeweiligen Mittels.Was ist bei der Reinigung im Feld zu beachten?
Die Innenreinigung erfolgt möglichst auf der behandelten Fläche, damit keine punktuellen Einträge entstehen. Dafür sind Spülwassertank und Reinigungsdüsen vorgesehen. Reinigung auf befestigten Flächen ohne geeignete Auffangmöglichkeit ist zu vermeiden.Muss eine Feldspritze geprüft werden?
Für Pflanzenschutzgeräte bestehen Prüfpflichten in festgelegten Abständen. Die konkreten Anforderungen und Fristen richten sich nach den jeweils gültigen Regelungen. Eine gut gewartete Spritze besteht die Prüfung deutlich einfacher, weil die typischen Beanstandungen von vornherein entfallen.Spritzentechnik vor der Saison in Ordnung bringen
Wir prüfen Pumpe, Filter, Düsen und Leitungen und beheben Undichtigkeiten, bevor die Ausbringsaison beginnt.
Über den AutorNikolas Janson ist Inhaber von Janson Land- & Baumaschinen und mit dem Servicefahrzeug bei Landwirten, Lohnunternehmen, Bauunternehmen und Forstbetrieben unterwegs. Reparatur, Hydraulikschlauchservice, Reifenservice sowie Ersatzteile und Betriebsstoffe kommen direkt zur Maschine, damit Standzeiten kurz bleiben. Fragen zu diesem Beitrag beantwortet er telefonisch unter 0151 67481042 oder per E-Mail.