Ratgeber Anbautechnik
Spiel an Bolzen und Buchsen wächst leise und wird plötzlich teuer
Frontlader und Anbaugeräte arbeiten mit hohen Kräften an wenigen Punkten. Wer Spiel, Risse und lose Verschraubungen früh bemerkt, tauscht ein Verschleißteil statt einer Baugruppe.
Das Wichtigste in KürzeSpiel an Bolzen und Buchsen ist der wichtigste FrühindikatorRisse zeigen sich zuerst an Schweißnähten und KrafteinleitungspunktenEin ausgeschlagenes Lager beschädigt schnell die Aufnahme im RahmenVerriegelungen an Schnellwechselsystemen gehören vor jedem Einsatz geprüft
Frontlader und Anbaugeräte leisten im Alltag die grobe Arbeit. Sie heben, drücken, reißen und werden dabei über wenige Punkte belastet, an denen die gesamte Kraft zusammenläuft. Genau an diesen Punkten entsteht Verschleiß, und zwar so langsam, dass er im täglichen Umgang kaum auffällt. Erst wenn ein Bolzen deutlich schlägt oder eine Naht aufreißt, wird sichtbar, was sich über Monate entwickelt hat.
Bolzen und Buchsen sind der Frühindikator
An jedem Gelenk arbeiten Bolzen und Buchse aufeinander. Ist die Schmierung ausreichend, gleiten sie mit minimalem Verschleiß. Fehlt sie, mahlen Abrieb, Sand und Wasser die Buchse aus, und das Spiel wächst. Anfangs ist das nur ein leises Klacken beim Lastwechsel, später ein deutliches Schlagen. Sobald das Spiel spürbar ist, wandert die Belastung auf die Kanten, und der Verschleiß beschleunigt sich.
Wichtig ist der nächste Schritt in dieser Kette. Ein ausgeschlagener Bolzen belastet nicht nur die Buchse, sondern auch die Aufnahme im Rahmen oder in der Schwinge. Wird zu lange gewartet, ist die Bohrung oval, und der Aufwand steigt von einem einfachen Verschleißteil auf eine Instandsetzung mit Ausdrehen und Einschweißen. Genau dieser Unterschied macht die regelmäßige Prüfung wirtschaftlich.
So prüfen Sie das Spiel richtig
Setzen Sie das Gerät ab, sichern Sie die Maschine und bewegen Sie die Gelenke mit einem Brecheisen. Achten Sie darauf, wo sich etwas bewegt, das sich nicht bewegen sollte. Alternativ lässt sich das Spiel im Betrieb erkennen, indem eine zweite Person die Gelenke beobachtet, während der Lader langsam belastet und entlastet wird. Notieren Sie, welche Stelle auffällt, denn beim nächsten Termin lässt sich so gezielt arbeiten.
Schmieren ist die halbe Instandhaltung
Frontlader gehören zu den am stärksten belasteten Baugruppen an einem Traktor, und ihre Gelenke bewegen sich langsam unter hoher Last. Das ist für einen Schmierfilm die schwierigste Situation. Deshalb sind kurze Schmierintervalle hier keine Übervorsicht, sondern der Normalfall. Nach jeder Wäsche und nach Arbeiten in Nässe oder Silage gehört zusätzlich geschmiert, weil Wasser und aggressive Rückstände sonst im Lager bleiben.
Ein Bolzen kostet wenig. Eine ausgeschlagene Aufnahme im Rahmen kostet ein Vielfaches.
Risse, Nähte und Verformungen
Stahlbau altert unter wechselnder Last. An Frontladern und Anbaugeräten zeigen sich Risse bevorzugt dort, wo Kräfte eingeleitet werden, also an Schweißnähten, an Übergängen von dünnem zu dickem Material und an Aufnahmen. Häufig kündigt sich ein Riss durch abplatzenden Lack und feine Rostfahnen an, lange bevor er als Spalt sichtbar ist. Deshalb lohnt der Blick nach der Reinigung, wenn die Oberfläche sauber ist.
- Schweißnähte an Schwinge, Rahmen und Werkzeugaufnahme absuchen
- Rostfahnen und abplatzenden Lack als Hinweis ernst nehmen
- Verformte Bleche und aufgeweitete Bohrungen prüfen
- Zylinderbefestigungen und Sicherungen kontrollieren
- Alle Schraubverbindungen auf festen Sitz ansehen
Ein gefundener Riss wird nicht einfach überschweißt. Sinnvoll ist es, die Ursache zu klären, die Rissenden zu stoppen und die Reparatur fachgerecht auszuführen, gegebenenfalls mit Verstärkung. Wird nur die Oberfläche zugeschweißt, kommt der Riss meist an derselben Stelle zurück, häufig größer als zuvor. Bei tragenden Bauteilen ist zusätzlich zu prüfen, ob eine Reparatur überhaupt zulässig ist oder ob das Bauteil ersetzt werden muss.
Hydraulik und Schnellwechselsysteme
Am Frontlader arbeitet die Hydraulik unter besonders wechselnden Bedingungen. Leitungen werden bei jeder Bewegung gebogen, Kupplungen werden häufig getrennt und wieder gesteckt, und alles davon geschieht im Schmutz. Prüfen Sie deshalb regelmäßig Leitungen auf Scheuerstellen und Kupplungen auf Dichtheit. Staubkappen sind hier kein Luxus, weil jeder Steckvorgang eine Gelegenheit ist, Schmutz in das System zu bringen.
Ein wichtiger Punkt ist das Absacken von Lasten. Sinkt der Lader oder das Werkzeug im Stillstand langsam ab, ist entweder ein Steuergerät oder eine Zylinderdichtung undicht. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern ein Sicherheitsthema, sobald jemand unter oder neben dem Gerät arbeitet. Solche Befunde gehören geprüft und behoben, nicht durch häufigeres Nachheben ausgeglichen.
Verriegelung vor jedem Einsatz kontrollieren
Schnellwechselsysteme sparen viel Zeit und sind gleichzeitig eine der häufigsten Unfallursachen bei Anbaugeräten. Nach jedem Werkzeugwechsel gehört die Verriegelung geprüft, und zwar sichtbar und durch einen kurzen Belastungstest, etwa durch leichtes Andrücken des Werkzeugs am Boden. Verschlissene Verriegelungsbolzen, verbogene Hebel oder festsitzende Sicherungen sind ein Fall für die sofortige Instandsetzung.
Anbaugeräte in die Wartung einbeziehen
Die meisten Betriebe warten den Traktor und behandeln die Geräte als Zubehör. Tatsächlich stehen Maschinen häufiger wegen eines Anbaugeräts als wegen des Schleppers. Nehmen Sie deshalb Schaufeln, Greifer, Ballenzangen, Paletten- und Silagewerkzeuge in den Wartungsplan auf. Verschleißschneiden, Zinken, Lager und Bolzen sind dort die üblichen Kandidaten, dazu kommen Schmierstellen, die nur in bestimmten Stellungen zugänglich sind.
Sinnvoll ist es, Geräte nach dem Einsatz zu reinigen und nicht erst im Frühjahr. Silage- und Dungreste greifen Metall deutlich an, und was über Monate anhaftet, richtet Schaden an. Nach der Reinigung folgt das Abschmieren, danach eine kurze Sichtprüfung. Diese Reihenfolge ist in wenigen Minuten erledigt und ersetzt einen Großteil der aufwendigen Instandsetzungen, die sonst irgendwann zwangsläufig anstehen.
Wer zusätzlich notiert, welche Verschleißteile wann getauscht wurden, erkennt über die Zeit, welche Geräte tatsächlich Geld kosten und wo sich eine robustere Ausführung lohnt. Diese Information ist beim nächsten Kauf wertvoller als jeder Prospekt.
Sicher arbeiten mit Frontlader und Anbaugerät
Verschleiß und Sicherheit hängen beim Frontlader eng zusammen. Ein Gerät mit deutlichem Spiel lässt sich schlechter kontrollieren, und ein abgesacktes Werkzeug ist eine Gefahr für jeden, der in der Nähe arbeitet. Deshalb gehört zur Instandhaltung auch die Frage, ob die Maschine noch sicher bedient werden kann. Wer beim Heben ein Rucken bemerkt oder feststellt, dass die Last nicht sicher steht, sollte das nicht als Eigenart hinnehmen.
Beim Arbeiten selbst gelten einige Grundsätze, die den Verschleiß spürbar senken. Lasten werden möglichst tief transportiert, weil das die Standsicherheit erhöht und die Belastung auf Rahmen und Vorderachse verringert. Ruckartiges Absetzen und seitliches Reißen belasten Schweißnähte und Bolzen stark. Auch das Fahren mit angehobener, voller Schaufel über unebenen Boden ist eine der wirksamsten Methoden, um einen Lader vorzeitig auszuschlagen.
Ebenso wichtig ist die richtige Ballastierung. Ein Frontlader mit schwerer Last ohne Gegengewicht hebt die Hinterachse und macht die Maschine unlenkbar. Neben der Unfallgefahr entsteht dabei eine ungünstige Belastung der Vorderachse. Wer regelmäßig mit voller Schaufel arbeitet, sollte deshalb ein passendes Heckgewicht führen und die zulässigen Achslasten kennen.
Zur Sicherheit gehört zuletzt die Frage, wer die Maschine bedient. Frontladerarbeit sieht einfach aus, verlangt aber Erfahrung im Umgang mit Lastverteilung, Kipplinien und Sichtverhältnissen. Eine kurze Einweisung an der konkreten Maschine ist deshalb sinnvoll, besonders bei Aushilfen und bei Geräten mit anderer Steuerungslogik als gewohnt.
Wann sich eine Instandsetzung noch lohnt
Bei älteren Ladern und Geräten stellt sich irgendwann die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Eine Instandsetzung lohnt sich in der Regel, solange der Grundrahmen gerade und ohne größere Risse ist und der Verschleiß auf Bolzen, Buchsen und Verschleißschneiden begrenzt bleibt. Ist dagegen der Rahmen verzogen oder sind mehrere Aufnahmen ausgeschlagen, summieren sich die Arbeiten schnell und ein gebrauchtes, gutes Gerät ist die bessere Entscheidung.
Zum Abschluss lohnt der Hinweis auf die Aufnahmen am Traktor. Nicht nur der Lader verschleißt, sondern auch die Konsolen am Fahrzeug. Prüfen Sie deren Verschraubung am Rahmen, denn lose Schrauben führen dort schnell zu ausgeschlagenen Bohrungen und zu Rissen im Halter. Ein regelmäßiges Nachziehen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment verhindert einen Schaden, der aufwendig zu beheben ist.
Häufige Fragen
Wie viel Spiel ist an einem Frontlader normal?
Ein geringes, kaum spürbares Spiel ist bauartbedingt möglich. Spürbares Wackeln, hörbares Klacken beim Lastwechsel oder sichtbares Versetzen der Bolzen sind dagegen Anzeichen für Verschleiß, der behoben werden sollte, bevor die Aufnahmen im Rahmen ausschlagen.Woran erkenne ich beginnende Risse?
Typisch sind feine, dunkle Linien an Schweißnähten, abplatzender Lack in Nahtnähe und Rostfahnen, die aus einer Naht heraustreten. Reinigen Sie die Stelle und sehen Sie sie bei guter Beleuchtung an. Ein Riss wächst weiter und wird niemals von allein besser.Kann man ausgeschlagene Buchsen selbst ersetzen?
Mit passendem Werkzeug und Presse ist das möglich. Entscheidend ist, dass auch die Bohrung geprüft wird. Ist die Aufnahme im Rahmen bereits oval, genügt eine neue Buchse nicht, dann ist eine fachgerechte Instandsetzung der Bohrung nötig.Wie oft sollte ein Frontlader abgeschmiert werden?
Nach Herstellerangabe, bei intensivem Einsatz häufiger und zusätzlich nach jeder Hochdruckreinigung. Frontlader arbeiten mit hoher Last bei langsamer Bewegung, das ist für Bolzen und Buchsen die anspruchsvollste Kombination.Frontlader und Geräte prüfen lassen
Wir sehen uns Bolzen, Buchsen, Schweißnähte und Hydraulik an und setzen instand, bevor aus Spiel ein Schaden am Rahmen wird.
Über den AutorNikolas Janson ist Inhaber von Janson Land- & Baumaschinen und mit dem Servicefahrzeug bei Landwirten, Lohnunternehmen, Bauunternehmen und Forstbetrieben unterwegs. Reparatur, Hydraulikschlauchservice, Reifenservice sowie Ersatzteile und Betriebsstoffe kommen direkt zur Maschine, damit Standzeiten kurz bleiben. Fragen zu diesem Beitrag beantwortet er telefonisch unter 0151 67481042 oder per E-Mail.