Ratgeber Wartung

Zwei Stunden im Februar sparen zwei Tage im Mai

Vor der Saison ist die Werkstatt frei, das Wetter egal und der Termindruck gering. Genau dann lohnt sich der Durchgang durch Maschine und Anbaugeräte am meisten.

Von Nikolas Janson · 7. April 2026 · Lesezeit rund 7 Minuten

Das Wichtigste in KürzeVor der Saison prüfen heißt planbar reparieren statt improvisierenBetriebsstoffe, Hydraulik, Reifen und Elektrik decken die meisten Ausfälle abAnbaugeräte werden vergessen, obwohl sie die Standzeiten verursachenWas auffällt, wird notiert und terminiert, nicht auf später verschoben

Nach dem Winter startet die Saison selten langsam. Sobald der Boden befahrbar ist, laufen mehrere Arbeiten gleichzeitig an, und jede Maschine wird gebraucht. Wer erst dann feststellt, dass eine Leitung feucht ist, die Batterie schwächelt oder ein Verschleißteil fehlt, verliert Tage. Ein strukturierter Frühjahrscheck verlagert diesen Aufwand in eine Zeit, in der er niemanden stört.

Betriebsstoffe und Filter zuerst

Beginnen Sie mit den Flüssigkeiten, weil sich hier Standschäden am deutlichsten zeigen. Prüfen Sie Motoröl, Getriebe- und Hydrauliköl, Kühlmittel und den Kraftstofffilter mit Wasserabscheider. Milchiges Öl deutet auf Wasser hin, ein süßlicher Geruch am Kühler auf eine Undichtigkeit. Kondenswasser sammelt sich über den Winter besonders in halbleeren Tanks und im Vorfilter, deshalb wird dort abgelassen, bevor der Motor das erste Mal richtig belastet wird.

Filterwechsel werden nach Betriebsstunden fällig, altern aber auch im Stillstand. Ein Luftfilter, der über den Winter feucht wurde, ist kein Filter mehr, sondern ein Widerstand. Ebenso wichtig ist der Blick auf das Kühlerpaket. Staub, Häcksel und Insekten aus dem Vorjahr sitzen fest und werden im Sommer zum Grund für Überhitzung, wenn sie jetzt nicht entfernt werden.

Hydraulik, Reifen und alles, was Kraft überträgt

Gehen Sie die Hydraulikleitungen mit der Taschenlampe ab und achten Sie besonders auf bewegte Bereiche wie Frontlader, Hubwerk und Anbaugeräte. Feuchte Armaturen, aufgescheuerte Außendecken und fehlende Halteschellen sind die typischen Funde. Alles, was jetzt auffällt, lässt sich in Ruhe tauschen. Dieselbe Stelle im Juni bedeutet einen Notdienst mitten in der Arbeitsspitze.

  • Luftdruck aller Reifen prüfen und an die geplante Arbeit anpassen
  • Reifenflanken auf Risse, Beulen und eingefahrene Fremdkörper ansehen
  • Radmuttern mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren
  • Hydraulikschläuche und Kupplungen auf Dichtheit prüfen
  • Gelenkwellen abschmieren und den Schutz auf Vollständigkeit prüfen
  • Alle Schmierstellen nach Plan abarbeiten

Reifen verdienen mehr Aufmerksamkeit als sie bekommen

Über den Winter verlieren Reifen Luft, und Standplatten sowie Flankenrisse entstehen bevorzugt dort, wo die Maschine monatelang nicht bewegt wurde. Ein zu geringer Druck belastet die Karkasse, ein zu hoher verdichtet den Boden unnötig und verschlechtert die Zugkraft. Prüfen Sie deshalb kalt und stellen Sie den Druck auf die anstehende Arbeit ein, nicht auf einen Wert, der irgendwann einmal richtig war.

Bremsen, Lenkung und Sicherheit

Nach langer Standzeit sind festsitzende Bremsen keine Seltenheit, besonders bei Anhängern und Anbaugeräten. Prüfen Sie die Wirkung auf beiden Seiten, achten Sie auf einseitiges Ziehen und kontrollieren Sie das Spiel in der Lenkung. Ebenso gehören Schutzeinrichtungen dazu, also Gelenkwellenschutz, Abdeckungen, Spiegel, Warntafeln und die vollständige Beleuchtung. Diese Punkte kosten wenig Zeit, sind aber im Ernstfall diejenigen, auf die es ankommt.

Notieren statt merkenFühren Sie eine einfache Liste je Maschine mit Datum, erledigten Arbeiten und offenen Punkten. Beim nächsten Termin sehen Sie sofort, was noch aussteht, und Ersatzteile lassen sich rechtzeitig bestellen, statt hektisch beschafft zu werden.

Anbaugeräte nicht vergessen

Der Traktor bekommt Aufmerksamkeit, die Anbaugeräte selten. Dabei verursachen sie einen großen Teil der Standzeiten, weil ihre Verschleißteile direkt im Boden arbeiten. Prüfen Sie Schare, Zinken, Messer, Lager und Ketten auf Verschleiß und Spiel, kontrollieren Sie Schrauben und Sicherungen und sehen Sie sich alle Hydraulikanschlüsse an. Auch die Beleuchtung an Anhängern und Geräten gehört auf die Liste, weil defekte Leuchten regelmäßig erst auf dem Weg zum Feld auffallen.

Bei Geräten mit Getriebe lohnt der Blick auf den Ölstand und auf die Dichtheit der Wellendichtringe. Ein Getriebe, das über den Winter langsam leerläuft, fällt beim ersten Einsatz aus, und der Schaden ist dann erheblich größer als die Reparatur der Dichtung. Gleiches gilt für Kupplungen und Rutschkupplungen, die nach längerer Standzeit festkleben und dadurch ihre Schutzwirkung verlieren.

Die Maschine steht selten wegen des Motors. Sie steht wegen der Kleinigkeit, die im Winter niemand angesehen hat.

Aus dem Check einen Plan machen

Ein Check ist nur dann etwas wert, wenn aus den Funden Termine werden. Teilen Sie die Punkte in drei Gruppen ein. Sofort erledigen, vor Saisonbeginn erledigen und beobachten. Damit bleibt der Aufwand überschaubar und nichts geht verloren. Ersatzteile mit längerer Lieferzeit werden sofort bestellt, alles andere wird in den vorhandenen Werkstattterminen mit erledigt.

Sinnvoll ist außerdem, ein kleines Lager an Verschleiß- und Verbrauchsteilen aufzubauen, die erfahrungsgemäß gebraucht werden. Dazu gehören gängige Filter, Sicherungen, Leuchtmittel, Schrauben und die zwei bis drei Hydraulikleitungen, die an Ihren Maschinen erfahrungsgemäß zuerst aufgeben. Das ersetzt keine Wartung, verkürzt aber im Ernstfall die Standzeit auf ein Minimum.

Wer den Frühjahrscheck gemeinsam mit dem Servicetechniker durchgeht, hat zusätzlich den Vorteil, dass Auffälligkeiten sofort eingeordnet werden. Manches ist normaler Verschleiß und kann eine Saison warten, anderes sieht harmlos aus und gehört sofort behoben. Diese Einschätzung ist am Ende genau das, was den Unterschied zwischen einem ruhigen und einem unruhigen Sommer ausmacht.

Kabine, Bedienung und Komfort nicht übersehen

Der Frühjahrscheck endet bei vielen an der Motorhaube. Dabei entscheidet die Kabine darüber, wie gut jemand über lange Tage arbeiten kann. Prüfen Sie deshalb die Klimaanlage, die Belüftung und den Zustand des Umluft- und Frischluftfilters. Ein zugesetzter Filter reduziert die Leistung erheblich und belastet zusätzlich die Luft im Innenraum. Ebenso gehören Scheibenwischer, Waschanlage und alle Spiegel auf die Liste, weil sie im Alltag Sicherheit bedeuten.

Sehen Sie sich außerdem die Bedienelemente an. Träge Hebel, ausgeschlagene Gelenke und schwergängige Verriegelungen entwickeln sich langsam und fallen deshalb kaum auf, bis sie stören. Auch der Sitz gehört dazu, denn eine defekte Federung führt über eine Saison zu erheblicher Belastung. Solche Punkte sind schnell erledigt, wenn sie im Winter erkannt werden, und werden in der Saison konsequent verschoben.

Prüfen Sie zusätzlich die Ausstattung, die im Ernstfall gebraucht wird. Feuerlöscher, Verbandmaterial, Warnwesten und Unterlegkeile sind vorhanden, zugänglich und in gutem Zustand. Bei Maschinen, die auf öffentlichen Straßen bewegt werden, gehören Beleuchtung, Warntafeln und Kennzeichnung dazu. Diese Punkte kosten wenige Minuten und sind genau die, nach denen im Zweifelsfall gefragt wird.

Zum Abschluss lohnt eine kurze Probefahrt mit Gehör und Gefühl. Ungewohnte Geräusche, Vibrationen, ein Ziehen beim Bremsen oder ein verändertes Ansprechen der Hydraulik sind Hinweise, die man am stehenden Fahrzeug nicht bekommt. Nehmen Sie sich die zehn Minuten und notieren Sie, was auffällt, solange es noch frisch ist.

Mit dieser Runde ist der Check vollständig, und die Maschine geht nicht nur technisch, sondern auch im täglichen Umgang vorbereitet in die Saison.

Was nach dem Check dokumentiert wird

Ein Check ohne Notiz verpufft. Halten Sie deshalb je Maschine fest, welche Arbeiten erledigt wurden, welche Betriebsstoffe und Filter verwendet wurden und welche Punkte offen geblieben sind. Ergänzen Sie den Betriebsstundenstand und das Datum. Diese wenigen Zeilen sind später die Grundlage dafür, Intervalle einzuhalten, Gewährleistungsfragen zu klären und den tatsächlichen Aufwand je Maschine zu beurteilen.

Sinnvoll ist außerdem, offene Punkte mit einem Termin zu versehen. Ein Mangel ohne Datum wird verschoben, bis er sich selbst meldet. Wer stattdessen notiert, dass eine Leitung vor der Ernte getauscht wird und ein Lager beobachtet werden soll, hat eine belastbare Planung. Ersatzteile mit längerer Lieferzeit werden im selben Zug bestellt, damit sie zum Termin bereitliegen.

Für Betriebe mit mehreren Maschinen lohnt sich eine gemeinsame Übersicht mit allen anstehenden Arbeiten. Daraus lässt sich ein Servicetermin bündeln, bei dem mehrere Maschinen nacheinander abgearbeitet werden. Das reduziert Anfahrten, verkürzt die Gesamtdauer und sorgt dafür, dass kleinere Punkte tatsächlich erledigt werden, statt einzeln liegen zu bleiben.

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Frühjahrscheck?Sobald der Frost nachlässt und bevor die ersten Feldarbeiten anstehen. Wer bis zum ersten schönen Wochenende wartet, konkurriert mit allen anderen Betrieben um Termine und Ersatzteile. Ein Check im Spätwinter lässt Zeit für Bestellungen und größere Arbeiten.
Was gehört unbedingt auf die Liste?Betriebsstoffe und Filter, Hydraulik und Schläuche, Reifen und Luftdruck, Batterie und Beleuchtung, Bremsen und Lenkung sowie alle Schmierstellen. Dazu kommen die Anbaugeräte mit ihren Verschleißteilen und die Sicherheitseinrichtungen wie Schutzbleche und Gelenkwellenschutz.
Lohnt sich der Check auch bei einer neuen Maschine?Ja, wenn auch mit anderem Schwerpunkt. Bei neuen Maschinen geht es weniger um Verschleiß als um lockere Verschraubungen, Transportsicherungen, korrekte Luftdrücke und die Einhaltung der ersten Wartungsintervalle, die häufig kürzer sind als die späteren.
Kann der Check bei mir auf dem Hof stattfinden?Ja. Der mobile Service kommt mit Werkzeug, Messtechnik und den gängigen Verschleiß- und Betriebsstoffen zur Maschine. Das spart die Überführung und Sie können bei Bedarf gleich dabei sein, wenn Auffälligkeiten besprochen werden.

Frühjahrscheck vor der Saison einplanen

Sichern Sie sich einen Termin, solange die Woche noch frei ist. Wir kommen zu Ihnen und gehen Maschine und Anbaugeräte gemeinsam durch.

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Über den AutorNikolas Janson ist Inhaber von Janson Land- & Baumaschinen und mit dem Servicefahrzeug bei Landwirten, Lohnunternehmen, Bauunternehmen und Forstbetrieben unterwegs. Reparatur, Hydraulikschlauchservice, Reifenservice sowie Ersatzteile und Betriebsstoffe kommen direkt zur Maschine, damit Standzeiten kurz bleiben. Fragen zu diesem Beitrag beantwortet er telefonisch unter 0151 67481042 oder per E-Mail.