Ratgeber Hydraulik
Wenn die Leitung aufgibt, entscheidet die erste Viertelstunde
Ein geplatzter Schlauch legt jede Maschine sofort still. Wer ruhig und in der richtigen Reihenfolge vorgeht, schützt sich selbst, begrenzt den Ölschaden und ist deutlich schneller wieder im Einsatz.
Das Wichtigste in KürzeMaschine abstellen, Last absetzen und Druck abbauen, bevor jemand an die Leitung fasstAustretendes Öl niemals mit der Hand abtasten, ein feiner Strahl dringt durch die HautÖlbindemittel gehört in jedes Fahrzeug, damit aus einer Panne kein Umweltschaden wirdEin Ersatzschlauch wird nach Nennweite, Druckstufe, Länge und Armaturen bestimmt, nicht nach Augenmaß
Ein Hydraulikschlauch gibt selten mit Ankündigung auf. Meist reißt er im ungünstigsten Moment, mitten in der Ernte, auf der Baustelle oder im Wald, und innerhalb weniger Sekunden steht die Maschine in einer Ölpfütze. Der erste Impuls ist fast immer der falsche. Wer sofort zur Schadstelle greift, riskiert eine schwere Verletzung, und wer die Maschine noch einmal anlaufen lässt, verteilt den Rest des Öls im Gelände. Die folgenden Schritte haben sich im Alltag bewährt und lassen sich auch dann abarbeiten, wenn es hektisch wird.
Sofort abstellen und den Druck aus dem System nehmen
Stellen Sie den Motor ab, sobald Sie den Druckverlust bemerken. Ein weiterlaufender Antrieb fördert Öl in die Leckstelle, und die Pumpe zieht Luft, sobald der Tank leer läuft. Setzen Sie angehobene Lasten ab, also Frontlader, Hubwerk, Ausleger oder Ladekran, und sichern Sie die Maschine gegen Wegrollen. Erst wenn nichts mehr in der Schwebe hängt, ist das Umfeld sicher genug, um die Schadstelle überhaupt zu suchen.
Danach wird der Restdruck abgebaut. In vielen Systemen genügt es, die Steuerhebel bei stehendem Motor mehrfach in beide Richtungen zu bewegen. Speicherdruck kann jedoch auch danach noch anstehen, etwa in gefederten Vorderachsen oder in Bremskreisen. Behandeln Sie jede Leitung so, als stünde sie unter Druck, bis das Gegenteil erwiesen ist.
Halten Sie Abstand zu austretendem Öl. Ein feiner Strahl aus einer Pinnloch-Undichtigkeit ist mit bloßem Auge kaum zu sehen und dringt durch Haut und Handschuh. Solche Verletzungen wirken zunächst harmlos, sind aber ein Notfall und gehören umgehend in ärztliche Behandlung. Zur Suche nach der Leckstelle nimmt man deshalb ein Stück Pappe oder Holz, niemals die Hand.
Sicherheit zuerstMotor aus, Last ab, Maschine gegen Wegrollen sichern, Restdruck abbauen und erst danach an die Leitung. Diese Reihenfolge kostet zwei Minuten und verhindert die meisten schweren Unfälle an der Hydraulik.
Öl aufnehmen und die Umgebung schützen
Hydrauliköl gehört nicht in den Boden und nicht in ein Gewässer. Deshalb gehört Ölbindemittel in jedes Fahrzeug, das mit schwerer Technik unterwegs ist, zusammen mit ein paar stabilen Auffangwannen oder wenigstens einem alten Eimer. Streuen Sie das Bindemittel großzügig auf die Pfütze, arbeiten Sie es leicht ein und kehren Sie es anschließend zusammen. Das gebundene Material ist Sondermüll und wird entsprechend entsorgt, nicht in die Restmülltonne gegeben.
Auf befestigten Flächen ist zusätzlich wichtig, dass kein Öl in einen Straßeneinlauf läuft. Bereits kleine Mengen genügen, um eine Meldung an die Behörde auszulösen. Kommt Öl in einen Graben, in ein Fließgewässer oder in einen Brunnenbereich, informieren Sie die zuständige Stelle selbst, statt zu warten. Das ist unangenehm, aber deutlich günstiger als eine spätere Feststellung durch Dritte.
Der Ölstand ist die zweite Baustelle
Nach dem Schlauchschaden fehlt Öl im System, und zwar oft mehr, als die Pfütze vermuten lässt. Wird die Maschine mit zu geringem Füllstand gestartet, saugt die Pumpe Luft. Das erkennt man an schäumendem Öl, an einem lauten, singenden Pumpengeräusch und an ruckelnden Bewegungen. Kavitation und Luft im System zerstören eine Pumpe schneller als jeder Schlauchschaden. Deshalb wird nach jeder größeren Leckage nachgefüllt, entlüftet und der Füllstand nach dem Probelauf erneut geprüft.
Schmutz ist der stille Folgeschaden
Offene Leitungen und Anschlüsse ziehen Staub, Stroh und Erde an. Was jetzt eindringt, wandert später durch Pumpe, Ventile und Zylinder und sorgt für Verschleiß, der erst Wochen danach auffällt. Verschließen Sie offene Enden mit sauberen Stopfen oder wenigstens mit einem Beutel und einem Kabelbinder, und reinigen Sie die Anschlussstellen, bevor die neue Leitung angeschraubt wird. Ein sauberer Anschluss ist bei der Hydraulik keine Kosmetik, sondern Lebensdauer.
Nicht der Schlauch ist teuer, sondern der Schmutz, der bei offener Leitung ins System wandert.
Die Ursache finden statt nur das Symptom tauschen
Ein Schlauch reißt selten grundlos. Bevor die neue Leitung montiert wird, lohnt der Blick auf die Umgebung. Scheuerstellen an Rahmen, Kanten oder anderen Leitungen sind der häufigste Grund, gefolgt von fehlenden oder gebrochenen Halteschellen. Ebenso typisch sind Leitungen, die beim vollen Einschlag oder beim vollständigen Ausfahren eines Zylinders auf Zug kommen, weil sie zu kurz verlegt wurden oder weil ein Anbaugerät nachträglich verändert wurde.
Auch Alterung spielt eine Rolle. Gummi verhärtet mit den Jahren, verliert seine Elastizität und reißt dann an der Biegung. Wärme, Sonnenlicht und aggressive Reinigungsmittel beschleunigen diesen Vorgang. Wer bei einem älteren Gerät eine Leitung tauscht, sollte die Nachbarleitungen gleich mitprüfen, denn sie haben denselben Weg hinter sich.
- Aufgescheuerte Außendecke oder sichtbares Drahtgeflecht
- Feuchte, dunkle Ränder an den Pressarmaturen
- Harte, spröde oder aufgequollene Abschnitte
- Leitungen ohne Halterung, die im Betrieb schlagen
- Zu kurz verlegte Leitungen, die bei Vollausschlag gespannt werden
Was der Ersatzschlauch mitbringen muss
Ein passender Ersatz ergibt sich aus Nennweite, Druckstufe, Anzahl der Druckträger, Länge und den beiden Armaturen samt Dichtform und Winkel. Ein Schlauch, der nur ungefähr passt, hält vielleicht eine Saison und fällt dann erneut aus. Deshalb wird die alte Leitung vermessen, die Armaturen werden bestimmt, und der neue Schlauch wird mit der richtigen Pressform konfektioniert. Wird direkt am Einsatzort gepresst, entfällt die Fahrt in die Werkstatt vollständig.
Vorbeugen ist billiger als jeder Notdienst
Die meisten Schlauchschäden kündigen sich an. Wer bei der Wartung fünf Minuten mit der Taschenlampe an Hubwerk, Frontlader, Lenkzylindern und Anbaugeräten entlanggeht, findet Scheuerstellen und feuchte Armaturen, bevor sie zum Stillstand führen. Besonders lohnt der Blick an Stellen, die im Betrieb bewegt werden, also an Knickpunkten, an Drehdurchführungen und überall dort, wo Leitungen dicht beieinander liegen.
Bewährt hat sich außerdem, kritische Leitungen paarweise zu tauschen und den Schutzschlauch dort zu erneuern, wo er bereits durchgescheuert ist. Wer regelmäßig im Wald oder im Abbruch arbeitet, hält am besten die zwei bis drei am häufigsten betroffenen Leitungen als Vorrat bereit. Das ersetzt keinen Service, verkürzt aber die Standzeit erheblich, wenn es doch einmal schnell gehen muss.
Ebenso wichtig ist der Umgang mit Schnellkupplungen. Sie werden gerne im Dreck gesteckt, und genau darüber gelangt Schmutz in den Kreislauf. Staubkappen kosten wenig und verhindern Verschleiß an Ventilen und Dichtungen. Wer sie konsequent nutzt und die Kupplungen vor dem Verbinden abwischt, spart sich später eine Menge Fehlersuche an Steuergeräten, die scheinbar grundlos undicht werden.
Was in jedes Fahrzeug gehört
Wer viel unterwegs ist, sollte nicht auf den Zufall setzen. Eine kleine Ausrüstung im Traktor oder im Betriebsfahrzeug verkürzt jede Panne spürbar. Dazu gehören Ölbindemittel, eine Auffangwanne oder ein stabiler Eimer, saubere Verschlussstopfen in den gängigen Größen, ein paar Lappen, Einweghandschuhe, eine Taschenlampe und ausreichend Nachfüllöl der richtigen Sorte. Das alles passt in eine Kiste und kostet wenig im Vergleich zu dem, was eine vermeidbare Verzögerung kostet.
Ebenso hilfreich ist eine kurze Notiz mit den wichtigsten Daten der Maschine, also Ölsorte, Füllmenge und die Größen der am häufigsten betroffenen Leitungen. Wenn diese Angaben beim Anruf sofort vorliegen, kann der Service passendes Material mitbringen, statt zweimal fahren zu müssen. Bei mehreren Maschinen im Betrieb lohnt sich eine solche Liste für jede einzelne, weil sich die Angaben erfahrungsgemäß niemand sicher merkt.
Denken Sie außerdem daran, wie die Maschine erreichbar ist. Eine genaue Ortsbeschreibung mit Zufahrt, Untergrund und möglichen Hindernissen entscheidet darüber, ob ein Servicefahrzeug direkt an die Maschine kommt. Steht das Gerät auf weichem Boden oder in einer Hanglage, gehört das ebenso in die Beschreibung wie die Frage, ob eine angehobene Last noch in der Schwebe hängt.
Und schließlich lohnt es sich, den Ablauf einmal mit allen zu besprechen, die Maschinen fahren. Wer weiß, dass zuerst der Motor ausgeht, dann die Last abgesetzt wird und niemals mit der Hand nach der Leckstelle gesucht wird, handelt auch unter Druck richtig. Diese fünf Minuten Absprache sind die günstigste Sicherheitsmaßnahme, die ein Betrieb treffen kann.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem geplatzten Hydraulikschlauch noch bis zum Hof fahren?
In aller Regel nicht. Sobald das Öl fehlt, arbeiten Lenkung, Bremse oder Hubwerk unzuverlässig, und die Pumpe läuft trocken. Kurze Rangierfahrten sind allenfalls dann vertretbar, wenn die betroffene Leitung sicher abgesperrt ist und Lenkung sowie Bremse nachweislich unabhängig davon arbeiten. Im Zweifel bleibt die Maschine stehen.Woran erkenne ich, dass ein Schlauch bald aufgibt?
Typisch sind eine aufgescheuerte oder rissige Außendecke, sichtbares Drahtgeflecht, feuchte Stellen an den Pressarmaturen, verhärtete oder aufgequollene Abschnitte sowie Schläuche, die sich beim Ausfahren des Zylinders spannen oder an Kanten reiben. Solche Leitungen werden getauscht, bevor sie reißen.Reicht es, den Schlauch zu flicken?
Nein. Eine Hochdruckleitung lässt sich nicht dauerhaft flicken oder abbinden. Repariert wird durch einen neu gepressten Schlauch mit passenden Armaturen. Alles andere ist ein Sicherheitsrisiko und hält dem Betriebsdruck nicht stand.Wie schnell ist ein Ersatzschlauch verfügbar?
Wenn die Leitung vor Ort vermessen und direkt im Servicefahrzeug gepresst wird, ist die Maschine meist am selben Tag wieder einsatzbereit. Entscheidend ist, dass die alte Leitung möglichst vollständig vorliegt und die Armaturen erkennbar sind.Hydraulikschlauch defekt und die Maschine steht?
Rufen Sie an, beschreiben Sie kurz Maschine und Einbauort. Der Ersatzschlauch wird vor Ort gepresst und eingebaut, damit Ihre Arbeit weitergeht.
Über den AutorNikolas Janson ist Inhaber von Janson Land- & Baumaschinen und mit dem Servicefahrzeug bei Landwirten, Lohnunternehmen, Bauunternehmen und Forstbetrieben unterwegs. Reparatur, Hydraulikschlauchservice, Reifenservice sowie Ersatzteile und Betriebsstoffe kommen direkt zur Maschine, damit Standzeiten kurz bleiben. Fragen zu diesem Beitrag beantwortet er telefonisch unter 0151 67481042 oder per E-Mail.